KINSKI


Fotografien von Beat Presser

Westpreußisches Landesmuseum, Münster - Wolbeck 08. April – 03. Oktober 2011
Verlängert bis zum 29. Januar 2012

Klaus Kinski fotografiert von Beat PresserExzentrisch, rebellisch, genial, verrückt, legendär – es gibt viele Adjektive, die schon zu seinen Lebzeiten auf Klaus Kinski angewendet wurden. Zweifelsohne gehört er zu den prägendsten Schauspielern und polarisierendsten Gestalten des öffentlichen Lebens der sechziger bis achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Geboren wurde Nikolaus Karl Günther Nakszynski – so Kinskis bürgerlicher Name – am 18. Oktober 1926 in Zoppot als Sohn eines Apothekers und einer Krankenschwester. Der mondäne Badeort Zoppot (das heutige Sopot) an der Ostsee war Teil des nach dem Ersten Weltkrieg geschaffenen Miniaturstaates Freie Stadt Danzig, der vormals langjährigen Hauptstadt Westpreußens.  Anfang der 1930er Jahre siedelte die Familie von dort nach Berlin um.

 

Klaus Kinski Fotografiert von Beat PresserIhren Anfang nahm Kinskis Karriere als Schauspieler in britischer Kriegsgefangenschaft, führte ihn nach dem Zweiten Weltkrieg über zahlreiche Theaterbühnen in Berlin, München und Wien und zu ersten Filmrollen. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er ab Anfang der sechziger Jahre bekannt, als er eine der prägenden Gestalten in den Edgar-Wallace-Verfilmungen war. Seine internationale Karriere begann mit zahlreichen Rollen in italienischen Produktionen, wo er unter Sergio Leone und Sergio Corbucci arbeitete, aber zu seinem künstlerischen Werk gehören auch Rollen in David Leans Dr. Schiwago (1965) oder im letzten Billy-Wilder-Film Buddy, Buddy (1981), in dem er neben Jack Lemmon und Walter Matthau spielte. Zu seinen künstlerisch bedeutendsten Werken zählen bis heute die mit dem Regisseur Werner Herzog verwirklichten Filme Aguirre, der Zorn Gottes (1972), Nosferatu – Phantom der Nacht (1978), Woyzeck (1978), Fitzcarraldo (1981) und Cobra Verde (1987). Fitzcarraldo wurde für den Golden Globe nominiert und das amerikanische Filmmagazin American Film titelte 1982 sogar: „Ist Kinski der größte Schauspieler der Welt?“

 

Die Ausstellung zeigt anlässlich des 20. Todesjahres Kinskis eine Auswahl der Fotos, die der Schweizer Fotograf Beat Presser bei den Dreharbeiten zu Fitzcarraldo und Cobra Verde als Standfotograf anfertigte. Die qualitativ hochwertigen Aufnahmen zeigen einen wandlungsfähigen und beeindruckenden Schauspieler auf dem Höhepunkt seines künstlerischen Schaffens und lassen die schillernde Gestalt Kinskis lebendig werden. Sie geben Einblicke in seine an Besessenheit grenzende schauspielerische Arbeit und vermitteln gleichzeitig die Faszination, die von seiner künstlerischen Arbeit ausging.

Fotoausstellung
Klaus Kinski in Münster
vom 08.04 - 03.10.2011
Verlängert bis zum 29. Januar 2012
im Westpreußischen Landesmuseum
Am Steintor 5
48167 Münster - Wolbeck

Eintritt: 4.00 Euro (ermäßigt: 2.00 Euro)

 

 

„Fotografie im Ausnahmezustand“

 

 

Beat Presser AbendBeat Presser zeigt derzeit im Westpreußischen Landesmuseum in Münster-Wolbeck seine Foto-Ausstellung „Kinski“. Anlässlich seines Vortrags „Fotografie im Ausnahmezustand“, in dem Beat Presser am Donnerstag, 21.  Juli 2011 seine Arbeit mit Kinski beschrieb, sprach das Museum mit dem Schweizer Fotografen über sein Verhältnis zu Klaus Kinski, die Zusammenstellung der Kinski-Schau und seine weiteren Pläne.

 

Was war das denn für ein Ausnahmezustand, den Sie im Titel Ihres Vortrags andeuten?

Beat Presser: Es geht hier um die extreme geografische Situation und die Arbeitsbedingungen, in denen  „Fitzcarraldo“ und „Cobra Verde“ entstanden. Diese enorme Herausforderung beim Drehen und Fotografieren bildete den Ausnahmezustand.

 

Welches Bild hatten Sie eigentlich von Klaus Kinski, bevor Sie ihn wirklich kennenlernten?

Beat Presser: Ich hatte gar kein Bild. Die einzigen Filme mit ihm, die ich vorher gesehen hatte waren „Il Grande Silencio – Leichen pflastern seinen Weg“ und „Aguirre“ . Ich bin 1977 einfach nach Paris gefahren, habe ihn besucht und ihn für meine damalige Zeitung „The Village Cry“ fotografiert. Es war eine spannende Begegnung. Man muss einen guten Zugang zu den Leuten finden. Du musst einfach schauen, dass du gute Bilder machst. Das ist das Wichtigste!

 

Beat Presser AbendWas fasziniert Sie an Kinski?

Beat Presser: Seine Direktheit, seine Ehrlichkeit und seine Professionalität. Er verleibte sich seine Filmrollen ein. Er war Fitzzcaraldo und er war wahrscheinlich auch der Kopfgeldjäger aus „Il Grande Silencio“. Er war das – und das war faszinierend. Kinski war hervorragend zu fotografieren. Ich habe noch nie jemand getroffen, der so präsent war, der so wusste, was geschieht. Es war eine Symbiose zwischen Klaus Kinski und mir, er kam dem Fotografen entgegen.

 

Wann haben Sie das letzte Mal mit Kinski gearbeitet?

Beat Presser: Bei „Cobra Verde“. Ich habe ihn bei den Dreharbeiten von „Paganini“ noch einmal besucht, aber da habe ich nicht fotografiert. Das war 1989, zwei Jahre vor Kinskis Tod.

 

Ihre Kinski-Ausstellung haben sie komplett am Computer erstellt. Welche Vorteile bringt das?

Beat Presser: Wen man ohne Ausstellungskonzept in ein Museum geht, wird es schwierig und dauert viel, viel länger. Die Simulation am Computer bringt ein besseres Ergebnis. Sie sehen es einfach. Und was klein am Bildschirm funktioniert, funktioniert auch auch im großen Raum. Ich arbeite seit fünf oder sechs Jahren bei der Zusammenstellung von Ausstellungen mit einem Computer. Zudem muss ich so die Bilder nicht selber hängen..

 

Was sind denn ihre aktuellen Projekte?

Beat Presser: Momentan wird meine Ausstellung „Dhau“ im Deutschen Schiffahrtsmuseum in Bremerhaven gezeigt. Dafür war ich sechs Monate mit Dhaus, Segelschiffen, die den Indischen Ozean erfahren, unterwegs. Ich habe diese uralte Schiffahrtstradition gelebt und fotografiert. So entstand auch mein neues Buch „Dhau – Beatus Piratus auf Sindbads Spuren“.  Es ist eine Geschichte zwischen Märchen und Realität.

 

Und welche künftigen Pläne haben Sie?

Beat Presser: Sindbad hat sieben Reisen unternommen. Eine erste habe ich jetzt zum Thema des Buchs gemacht. Ich werde die Seefahrt für mich weiter vertiefen. Je länger etwas geht, desto besser geht es. Das Leben auf Segelschiffen ist ein völlig anderes, als an Land. Das Segeln und das direkte Miterleben von Tage und Nacht faszinieren mich, seit ich 1974 bei der Überführung von Segelyachten von New York in die Karibik als Matrose mitgearbeitet habe.

 

Wir danken für dieses Gespräch. (Das Interview führte Jan Schneider).

 

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Öffnungszeiten
Di - So
10 - 18 Uhr

Eintrittspreise während
der Kinski-Ausstellung

Erwachsene: 4,-€
Kinder ab 12 Jahre
und Studenten 2,-€
Freitags ist der Eintritt frei!

Anschrift:
Am Steintor 5
48167 Münster

BKM LWL NRW Kulturamt Münster