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Jo Mihaly (1902 Schneidemühl – 1989 Ascona) Tänzerin, Schriftstellerin, Politikerin
Stationen ihres Lebens und Wirkens
Kabinettausstellung vom 25. Oktober bis zum 8. Januar 2005 Westpreußisches Landesmuseum
18. Juni bis 3. August 2008 Staats- und
Universitätsbibliothek Hamburg
Das Westpreußische Landesmuseum zeigt vom 25. Oktober 2005 bis zum 8. Januar 2006 eine Kabinettausstellung über die Tänzerin, Schriftstellerin und
Politikerin Jo Mihaly, eine der interessantesten und vielseitigsten Persönlichkeiten der Weimarer Republik, des deutschen antifaschistischen Exils und der frühen Nachkriegszeit. Die Wochenzeitung „Die
Zeit“ nannte sie „eine der großen Frauen des 20. Jahrhunderts“.
Jo Mihaly wurde 1902 als Elfriede Alice Kuhr in Schneidemühl, Provinz Posen, an der westpreußischen Grenze geboren. In den 1920er Jahren kreierte sie eine eigene Form sozialkritischer
„epischer Tänze“. Da sie sich früh gegen den Nationalsozialismus engagierte, musste sie 1933 mit ihrem Mann, dem jüdischen Schauspieler und Regisseur Leonhard Steckel, emigrieren. In der Schweiz wurde
sie eine der aktivsten Gestalten des Exils; sie entwickelte pantomimische Szenen und Agitprop-Montagen, trat mit Ernst Busch auf, inszenierte Kabarett für Kinder. Als Präsidentin der
„Kulturgemeinschaft der Emigranten“ verschaffte sie später berühmt gewordenen Künstlern, wie z. B. George Solti, Manés Sperber oder François Bondy, erste Auftrittsmöglichkeiten. Mit Hans Mayer
redigierte sie die Exil-Zeitschrift „Über die Grenzen. Von Flüchtlingen – Für Flüchtlinge“. 1942 erschien
ihr Roman „Hüter des Bruders“ und 1945 der Gedichtband „Wir verstummen nicht“, der auch die ersten Texte von Stephan Hermlin enthielt. Nach dem Krieg wirkte Jo Mihaly im Stadtparlament von
Frankfurt/Main und als Gründerin der „Freien deutschen Kulturgemeinschaft“ beim politischen und kulturellen Wiederaufbau mit. Seit 1949 lebte sie als freie Autorin in Ascona, schrieb Romane,
Erzählungen, Gedichte und Jugendbücher. 1982 veröffentlichte sie ihr Tagebuch aus dem Ersten
Weltkrieg „... da gibt´s ein Wiedersehn“, ein Dokument ihrer Wandlung von der jungen kriegsbegeisterten Patriotin zur lebenslangen
Pazifistin. Posthum erschien der Roman „Auch wenn es Nacht ist“, ein ergreifend versöhnlicher Text über Flucht und Vertreibung aus dem deutschen Osten.
Die Ausstellung wurde von Thomas B. Schumann, Nachlassverwalter von Jo Mihaly, dem Westpreußischen Landesmuseum und dem
Gerhart-Hauptmann-Haus in Düsseldorf erarbeitet. Sie dokumentiert anhand von Büchern, Bildern, Photos, Dokumenten, Briefen und Manuskripten erstmals Leben und Werk dieser bedeutenden Künstlerin.
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